Fan-Verein HFC Falke: „Kreisklassen-Fußball wird langfristig niemanden hinter dem Ofen hervorlocken“

Nachdem die Ausgliederung der Profifußball-Abteilung des Hamburger SV in eine Aktiengesellschaft beschlossenen wurde, entschied sich ein Teil der Fans zu einem radikalen Schnitt. Einige der treuesten Kurvengänger verließen den Club, sie konnten sich mit dem eingeschlagenen Weg nicht weiter identifizieren. Die Fans wollten den Spaß am Fußball zurückgewinnen, abseits von Investoren und AGs. Sie gründeten ihren eigenen Verein: Den HFC Falke e.V.

Der StrafraumPrediger hat ein Interview über Investoren im Fußball, Ziele und Herzensangelegenheiten mit Falke-Vereinspräsidentin Tamara Dwenger geführt. Dwenger ist eine der jüngsten Vereinspräsidentinnen in Deutschland. Vor einigen Tagen bestritt der Fan-Verein das erste Spiel seiner Geschichte.

Um das komplette Interview zu lesen, einfach auf „Weiterlesen!“ klicken 🙂

StrafraumPrediger: Der HSV hat den Abstieg verhindert, fühlen sie dabei noch etwas im Herzen oder liegt das Kapitel HSV hinter Ihnen?

Tamara Dwenger: Das Kapitel können und wollen wir nicht abschließen. Große Teile unserer Mitglieder haben den HSV jahrelang unterstützt. HSVer wird man, HSVer bleibt man. Aber die Sichtweise ändert sich und ich persönlich habe sehr viel Abstand zum HSV gewonnen im Laufe der Saison. Teilweise wusste ich nicht wann und wo sie spielen.

Gibt es ein Szenario, bei dem die Fans sagen: Wir gehen wieder zurück zum HSV?

Für die Fanszene ist das nicht pauschal zu beantworten, zumal wir in Hamburg wirklich ein bunt gemischter Haufen sind. Ich kann es mir nicht mehr vorstellen, als aktiver Fan in den Volkspark zurückzukehren.

Logo des HFC Falke e.V.

Logo des HFC Falke e.V. aus Hamburg.

Ich bin seit über einem Jahrzehnt Fan eines Berliner Vereins, versuche so oft wie möglich im Stadion zu sein. Mir erscheint es unvorstellbar den Verein zu verlassen. Wie würden Sie so jemanden wie mir erklären, warum Sie den HSV verlassen haben?

Das läßt sich kaum erklären, vielleicht kommt der Vergleich einer Trennung vom Partner gleich. Es war eine tolle Zeit, aber du merkst immer mehr das es so nicht mehr weitergeht und dann gehst du. In der vergangenen Woche habe ich genau das Thema mit einem Fan aus England diskutiert und der sagte: Du kannst versuchen damit abzuschließen, es wird dir aber nicht gelingen. Der HSV wird immer zu meinem Leben dazugehören, nur hat er nicht mehr die Priorität.

Ist der HFC Falke e.V. eine kleine Oase inmitten von finanzstarken Investoren, Werbebudgets und dem Marketing der Bundesliga-Clubs?

In gewisserweise schon, günstiger Eintritt, vernüftige Bier-und Wurstpreise. Ein Trikot für unter 50 Euro. Es sind die kleinen Dinge die den Unterschied machen. Alles was wir machen, wird mit Herzblut gemacht, weil es unser Verein ist und das spürt man sicherlich auch im Umfeld.

Wie verhält sich der HFC Falke e.V. zu Sponsoren? Haben Sie dafür spezielle Kriterien oder Vorschriften?

Grundsätzlich sind wir Sponsoren gegenüber offen, aber der Sponsor muss zu uns passen. Auch aus diesem Grund gibt es bei uns derzeit keinen Katalog der auflistet, was die Bande oder die Seite im Stadionheft kostet. Das soll individuell vereinbart werden. Uns als Präsidium obliegt die Entscheidung ob wir mit XY eine Zusammenarbeit vereinbaren. Und wenn wir ein ungutes Gefühl haben, dann holen wir die Mitgliedschaft ins Boot. In unserer Satzung ist dort nicht spezielles geregelt. Das haben wir am Anfang disktutiert und dann verworfen, denn zuviel Regulierung hilft niemandem. Wichtiger ist hier der gesunde Menschenverstand.

Sie haben mal gesagt „Wir wollen für etwas sein, nicht dagegen“. Das Zitat gefällt mir. Ist ein Teil der HSV-Fans am Kampf gegen die Ausgliederung „zerbrochen“?

Zerbrochen nicht, aber jeder der Ausgliederungsgegener wußte doch, dass die Ausgliederung irgendwann kommen würde. Wenn nicht 2014, dann 2015 oder später. Beim HSV glauben große Teile der Mitgliedschaft wirklich daran, dass professionelle Strukturen etwas damit zu tun haben, ob e.V. oder AG dahintersteht. Und das gilt es in einer Demokratie zu akzeptieren.

Was ist Ihnen wichtiger: Sportlicher Erfolg oder die Freude am Fußball?

Die Mischung machts. Ich bin geil auf Erfolg, ohne Frage, aber ich würde dafür nicht meine Seele verkaufen. Mit Fußball in der Kreisklasse werden wir langfristig niemanden hinter dem Ofen hervorlocken. Irgendwann wird auch der HFC Falke an einem Punkt ankommen, wo wir uns fragen werden, wie wir gewisse Dinge finanzieren und dann müssen wir wieder verrückte Ideen haben und ich bin sicher die werden wir haben.

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