Interview mit Lok Leipzig Kapitän Markus Krug: „Bei Lok bin ich einfach mit Herzblut dabei“

StrafraumPrediger: Markus, warum hast du als Kind mit dem Fußball spielen begonnen?

Meine Eltern haben in meiner Heimatstadt Raguhn ein Haus direkt neben dem Sportplatz. Da bot es sich natürlich an meine gesamte Jugend direkt nebenan auf dem Sportplatz zu verbringen, anstatt zu Hause vor dem TV zu hängen. Mein Vater spielte im gleichen Verein und da lag es nahe, dass ich mit sechs Jahren beim SV Kickerss Raguhn1912 e.V. mit Fußball spielen anfing. Ich spielte dort bis zur A-Jugend, ehe es über die Station Hallescher FC (insgesamt dreieinhalb Jahre) zum 1. FC Lokomotive Leipzig ging.

Viele Fußballer sind bei Facebook, doch die Spieler (auch aus den Amateurligen) antworten sehr selten auf Fan-Nachrichten. Gehört der Austausch über Facebook mit den Fans für dich dazu?

Also für mich zählt der Dialog mit den Fans definitiv dazu. Ich antworte auch auf alle Nachrichten die ich bekomme. Auch wenn es teilweise eine ganze Menge Nachrichten sind und die Beantwortung eine Weile dauert. Aber das ist für mich selbstverständlich. Da ich mich in die Fanbelange hineinversetzen kann und man natürlich eine Antwort bekommen sollte, wenn man schon eine Nachricht schreibt bzw. eine Frage hat. Ich bin auch einer der nicht nur in guten Zeiten nach Spielende an den Zaun geht und sich sein Lob abholt, sondern sich auch in schlechten Zeiten die Meinungen der Fans anhört.

Foto von Markus Krug

Markus Krug. Foto: Bernd Scharfe

Du bist seit 2009 bei Lok. Ist es für dich noch immer etwas Besonderes im Bruno-Plache-Stadion aufzulaufen und wenn ja warum?

Für mich ist es definitiv immer wieder besonders im altehrwürdigen Bruno-Plache-Stadion für meine Loksche aufzulaufen. Da ich bei Lok Leipzig mit Herzblut dabei bin, brauch ich vor Spielen keine Extra- Motivation. Ich will immer alles geben, sobald ich das Trikot vom 1.FC Lok anhabe, da ich mich zu 1966% damit identifiziere. Ich kann mir daher vorstellen hier bis zum Ende meiner Fußballerlaufbahn zu spielen.

Was war dein bisher schönstes Erlebnis im Fußball?

Für den HFC werde ich mein erstes Pflichtspiel für die 1. Männermannschaft in der damaligen viertklassigen Oberliga im alten Kurt-Wabbel-Stadion nicht vergessen. Ich stand damals überhaupt erstmalig im Kader und wurde in der 2. Halbzeit eingewechselt. Für Lok gab es schon einige unvergessliche Spiele. Zum Beispiel die Spiele in der Regionalliga, wo wir jeweils in Unterzahl gegen die Favoriten aus Magdeburg oder Jena im Leipziger Zentralstadion gewonnen haben. Oder letzte Saison in der Regionalliga der Last-Minute-Sieg gegen den Tabellenführer aus Neustreelitz, wo wir aus einem 0:2 ein 3:2 gedreht haben und das ganze Stadion total ausgeflippt ist. Der damalige Regionalligaaufstieg war natürlich schön und natürlich auch Testspiele gegen höherklassige Teams wie Leverkusen, Schalke 04 oder den FC Fulham.

Ihr steht aktuell auf dem 6. Platz. RasenBallsport II führt die Tabelle mit Abstand an, wie ist die Maschine RB überhaupt noch zu stoppen?

Wir haben aktuell ja noch ein Spiel weniger und spielen jetzt die kommenden Wochen noch gegen direkte Konkurrenten. Platz 2 wird diese Saison wohl auch zum Aufstieg reichen. Somit sind wir noch im Soll und haben es selbst in der Hand. Am Ende der Saison wird abgerechnet und wir haben den Wiederaufstieg als klares Ziel!
Nüchtern betrachtet muss man sagen, dass die Maschinerie RB sicherlich nicht zu stoppen ist. Dafür haben sie eine schier unerschöpfliche Geldquelle wobei der Aufstieg in die 1. Liga (leider) nur eine Frage der Zeit ist. Kurze Hoffnung keimte natürlich auf als die Nichterteilung der Lizenz für die 2. Liga im Raum stand, aber das war ja leider nur ein Strohfeuer. Jedoch kann man seine Meinung ja Wochenende für Wochenende deutschlandweit in den Stadien zeigen und Ausdruck verleihen. In dieser Sache stehen so ziemlich alle deutschen Fanszenen zusammen, was ich toll finde. In den Farben getrennt – in der Sache vereint!

Ein „Welt“- Journalist schrieb vor einigen Tagen: Die Traditionalisten sollen froh sein über den „Hoffnungsträger RB“, weil der „Osten endlich wieder mitkickt“. Warum freust du dich nicht über den „Hoffnungsträger“?

Hoffnungsträger für was? Man kann seine Frau wechseln, man kann seine Unterwäsche wechseln, man kann sein Auto wechseln, man kann seine Haarfarbe wechseln. Aber seinen Verein kann man nicht einfach wechseln! Bei wahren Fans hängt da zu viel Herzblut, Emotionen und Identifikation dran. Nur weil auf einmal Bundesliga in Leipzig gespielt wird, werde ich doch nicht auf einmal Fan von einem künstlich geschaffenen Verein, den es vor ein paar Jahren nicht mal gab. Die Liebe zu seinem eigenen alten Verein bleibt trotzdem. Da interessieren einen andere Vereine nicht – egal in welcher Liga. Wer da seinen alten Verein den Rücken kehrt wegen einem „Hoffnungsträger für den Osten“ war kein richtiger Fan. Das es ohne Sponsoren im Fußball nicht geht, ist mir auch klar und unumstritten. Im Fußball sollte es aber immer noch vorrangig um den Sport gehen. Dies ist in meinen Augen bei RB nicht der Fall und eben für mich die Spitze des Eisberges. Hier wurde in meinen Augen ein „Fußballverein“ für 100% Werbung  und Vermarktung eines Energydrinkherstellers erschaffen, möglichst ohne stimmberechtigte Mitglieder. Ich kann mich mit RB definitiv nicht anfreunden.
Sei es in den Farben oder Logo oder in der Namensgebung. In dieser Dimension ist das bisher einmalig im deutschen Fußball. Übertrieben gesagt: Dann soll einfach eine eigenständige Firmenliga geschaffen werden, wo die ganzen Firmen mit ihren Firmenmannschaften spielen können und die herkömmlichen Fußballligen mit ihren Fußball- und Traditionsvereinen so bleiben wie sie sind.

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2 Kommentare zu “Interview mit Lok Leipzig Kapitän Markus Krug: „Bei Lok bin ich einfach mit Herzblut dabei“

  1. Pingback: Lok Leipzig Kapitän Markus Krug: „Unser Ziel ist der Klassenerhalt“ | StrafraumPrediger

  2. Pingback: Presse 25.11.2014 | RB Leipzig News - rotebrauseblogger

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