Interview mit Kampagne Nein zu RB: „Red Bull nicht das Gefühl der Akzeptanz geben“

Banner der Kampagne Nei zu RB

Wie bereits berichtet, ist nach langen Planungen die Kampagne „Nein zu RedBull – Für euch nur Marketing – Für uns Lebenssinn“ in die Öffentlichkeit getreten. In der Kampagne engagieren sich unter anderem Fans aus Kaiserslautern, Karlsruhe, Darmstadt oder Braunschweig, um gemeinsam gegen das Konstrukt RasenBallsport Leipzig Position zu beziehen.
Der StrafraumPrediger führte mit den Initiatoren ein erstes Interview über die Entstehung und die Ziele der Kampagne „Nein zu RedBull – Für euch nur Marketing – Für uns Lebenssinn“.

Welche Vereine/Gruppen sind in die Kampagne eingebunden, wer unterstützt euch?

Unsere Kampagne wird von fast allen Zweitligaszenen getragen. Die Initiatoren sind Fangruppen aus Kaiserslautern, Karlsruhe, Darmstadt, Braunschweig, 1860 München, Aue, Aalen, Heidenheim und Sandhausen. Wir waren darauf bedacht, erstmal alle Zweitligaszenen an einen Tisch zu bekommen. Aufgrund der relativ kurzen Vorbereitungszeit in der Sommerpause gestaltete sich das als nicht einfach. Daher kann es gut sein, dass sich noch die ein oder andere Zweitligaszene anschließt. Auch einige Szenen aus der ersten und dritten Liga haben bereits Interesse bekundet. Das macht Sinn, da RasenBallsport Leipzig nicht nur ein Problem der 2. Liga ist.

Könnt ihr nachvollziehen, dass viele Leipziger zu Spielen von RasenBallsport gehen?

Das Publikum bei RasenBallsport will in erster Linie Profifußball sehen. Aufgrund des sportlichen Misserfolg im Osten Deutschlands und der wirtschaftlichen Benachteiligung dort, ist das auch irgendwie nachvollziehbar. Wir bekommen viele Zuschriften von Vätern, die mit ihrem Sohn dann lieber zu RB gehen als zu Lok und Chemie Leipzig. Die freuen sich dann einfach über attraktiven Fußball. Das so viele zu RB gehen ist einfach der Konsquenz geschuldet, dass in Leipzig kein Profifußball gespielt wird.
Das räumt das Problem aber nicht aus dem Weg: Red Bull sieht Leipzig als reinen Standort und hat nichts mit Sympathien oder Traditionen zu tun, das blenden viele aus. Sollte sich RedBull aufgrund des fehlenden Erfolgs in ein paar Jahren aus dem Fußball zurückziehen, wird der wirtschaftliche Schaden, der durch diese Monopolstellung angerichtet wurde, erst ersichtlich. Das sollte man immer bedenken. Genauso sollten sich die Leute bewusst machen, dass RedBull vom Fußball profitieren möchte und nicht umgekehrt.

Wie werden die Fans in der 2. Bundesliga auf Spiele gegen RasenBallsport reagieren?

Innerhalb der Kampagne werden viele Gruppen und Fanszenen das Auswärtsspiel in Leipzig nicht besuchen. Die Veröffentlichung dieser Liste werden wir vornehmen, sobald alle Beteiligten die Möglichkeit hatten das in ihrer Fanszene zu besprechen. Natürlich muss man hierbei auch regionale und sportliche Besonderheiten betrachten, die individuell auftreten könnnen: Beispielsweise ist es recht schwierig einen Boykott zu organisieren, wenn das Spiel schon bald stattfindet und bereits tausende Gästekarten abgesetzt wurden. Unter diesen Umständen kann es zweckmäßiger sein, den Protest ins Stadion zu tragen. Grundsätzlich wiegt aber der Punkt schwerer, dass man RB Leipzig nicht durch Awesenheit und Stimmung das Gefühl der Akzeptanz geben will. RedBull möchte den Fußball nutzen, um sich als Marke anzubieten und sich ein Image aufzubauen. Sie wollen das, was der Fußball ausstrahlt, für Marketingzwecke nutzen. Das ist nicht hinnehmbar.

Warum haben sich DFB/DFL mit minimalen Satzungsänderungen bei RB zufrieden gegeben?

Da müsste man den DFB oder die DFL fragen. Ob von dort eine ehrliche Antwort kommt ist aber eher fragwürdig. Eines ist klar: Da spielen die Investitionen von RedBull in den Leipziger Fußball eine große Rolle. Denn das Geld fließt in den deutschen Fußball – das freut natürlich den DFB. Aber man muss auch bedenken, dass RedBull sich eben ein gutes Nachwuchsleistungszentrum leisten kann – und dennoch locken sie gleichzeitig Talente aus anderen Jugendvereinen mit gut dotierten Vertägen. Da können Vereine wie Aue oder Dynamo Dresden nicht mithalten.

Erst Hoffenheim, jetzt RB. Wie sieht die Zukunft des deutschen Fußball aus? Was bedeutet für euch der Volkssport Fußball?

Uns geht es in erster Linie um den Erhalt der Fankultur und des Fußballs für Jeden. Die immer weiter forschreitende Kommerzialisierung im Fußball führt dazu, dass es immer schwieriger wird Fußball jedem zugänglich zu machen. RedBull tut da sein Übriges dazu. Umwandlungen der Vereine in GmbHs oder Aktiengesellschaften ermöglichen Investoren Anteile am „Verein“ zu kaufen. Bei AG’s geht es den Investoren in erster Linie darum Renditen zu erzielen – meist dann um jeden Preis. Das dabei keine Rücksicht auf Fanbelange oder bezahlbare Eintrittskarten genommen wird, ist leider Realität. So läuft das nun mal in Wirtschaftsunternehmen. Für uns gilt: Den Fußball mit seinen Emotionen und mit seiner sozialisierenden und gesellschaftlich verbindenden Kraft zu bewahren. Wir wünschen uns einen Fußball, der den Vereinen gehört. Wo jeder die Möglichkeit hat, zu partizipieren und den Verein mitzugestalten.

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2 Kommentare zu “Interview mit Kampagne Nein zu RB: „Red Bull nicht das Gefühl der Akzeptanz geben“

  1. Pingback: “Lok Leipzig Kapitän Markus Krug können sich viele zum Vorbild nehmen” | StrafraumPrediger

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